Wie wird eine Lederhose hergestellt? Das solltest du vor dem Kauf einer Lederhose beachten.

Am Anfang war das Tier

Für alle die es nicht wissen. Eine Lederhose wird aus Tierhaut hergestellt. Es gibt unzählige Sorten von Leder, welche auch die Qualität einer Lederhose beeinflussen. Nappaleder ist ein vergleichsweises geschmeidiges Leder von Kalb oder vom Schaf, welches im weiteren Verarbeitungsprozess chromgegerbt wird. Nappaleder ist eine Form des Glattleders, wird aber bei der Herstellung einer Lederhose eher selten verwendet.

Wildleder bezeichnet allgemein Ledersorten (also Tierhäute), welche von wilden Tieren stammen. Dazu zählen zum Beispiel Tierhäute vom Hirsch, Reh und Elch bis hin zu exotischen Häuten von Känguru oder auch von Antilopenarten.

Traditionell wird eine Lederhose aus Hirschleder hergestellt. Das dieses Leder vergleichsweise teuer (da weniger Angebot) ist kommt häufig auch Rindsleder (manchmal auch Rindsvelourleder genannt) zum Einsatz. Bei sehr günstig hergestellten Lederhosen als Massenware greifen Hersteller häufig auch auf Kunstleder oder sogar jeansartigen Baumwollstoffe zurück. Es soll sogar Lederhose geben, welche aus Schweineleder hergestellt werden. Das ist natürlich sprichwörtlichunter aller Sau! Synthetische Lederarten (Kunstleder) und jeansartige Stoffe haben dann natürlich mit einer Lederhose im eigentlichen Sinne nicht mehr viel zu tun – außer dass sie so aussehen als wären sie eine Lederhose.

Sämischleder und die Herstellung einer Lederhose

Für Lederhosen wird meist sogenanntes Sämischleder eingesetzt. Der interessierte Leser kann sich auf Wikipedia gerne etwas weiter informieren. Es sei an dieser Stelle jedoch gesagt, dass Sämischleder diejenigen Lederarten bezeichnet, welche durch Gerben auf Basis oxidierbarer Fette produziert werden. Die Herstellung einer Lederhose ist ein traditionelles Handwerk. Wir haben ein paar tolle Videos gefunden, welches jeweils unterschiedliche Teile des Herstellungsprozess zeigt. Getreu dem Motto „ein Bild sagt mehr als tausend Wort“ solltest du dir diese mal anschauen. Aber Achtung: Teilweise wird bayrisch gesprochen, was für den ein oder anderen Zuschauer zu leichten Verständnisprobleme führen könnte. Dennoch sind die Videos sehr interessant und daher sehr empfehlenswert. In unseren Links im unteren Teil, kannst du dich auch weitergehend über den Herstellungsprozess einer Lederhose informieren.

Das obige Video zeigt vor allem den Prozess des Gerbens und der Herstellung des eigentlichen Rohmaterials: das Leder! Sehr empfehlenswert um den Ursprung einer Lederhose zu verstehen

Das zweite Video bezieht sich weniger auf die Herstellung von Leder aus Tierhaut, sondern vielmehr auf die eignetliche Herstellung der Lederhose. Hier siehst du wie das Leder in einer Manufaktur in Bertechgarten von Hand zugeschnitten, geleimt, gebügelt und bestickt wird. Du erfährst außerdem, dass die Arbeitszeit für die Lederhose durchaus 30 Arbeitsstunden und mehr betragen kann. Außerdem unterstreicht das Video ebenfalls unsere Meinung: Beim Kauf einer Lederhose sollte man langfristig denken. Denn die teurere Lederhose ist aufs ganze Leben bezogen vermutlich doch die günstigere. Hier werden wahre Unikate und somit Premium Lederhosen hergestellt. Ein wahres Schmankerl fürs Auge!

Wo werden Lederhosen hergestellt?

Es gibt in Deutschland, vor allem im südlichen Raum, noch viele Traditionsbetriebe, welche qualitativ sehr hochwertige Lederharten herstellen. Die Leder werden dann in der Regel in nationalen Qualitäts-Nähereien zu einer Lederhose weiterverarbeitet. Dort werden die Leder entsprechend der Form geschnitten und vernäht. Zusätzlich wird die Messertasche angebracht und die aufwändigen Bestickungen werden entweder maschinell oder sogar per Hand aufgebracht.

Allerdings macht die Globalisierung auch bei der Herstellung einer Lederhose keinen Halt. Entsprechend wird die eigentliche Herstellung des Leders (als z.B.: das Gerben der Tierhäute) sowie auch die weitergehende Verarbeitung und Produktion einer Lederhose häufig ins Ausland verlagert. Es kommt daher nicht selten vor, dass man beim Kauf einer Lederhose feststellt, dass diese aus Ländern wie beispielsweise Sri Lanka, Pakistan oder Indien kommt.

Die Gründe für die Verlagerung der Produktion von Lederhosen ins Ausland sind trivial: niedrigere Löhne in Schwellenländern oder Entwicklungsländern resultieren in niedrigeren Herstellungskosten. Für die Händler von Lederhosen bedeutet dies in der Regel eine höhere Marge und somit auch ein höherer Profit. Im Herstellungsbereich handelt es sich also um ein Cent-Geschäft mit relativ kleinen Margen. Die eigentlichen Händler von Lederhosen schlagen dann aber in der Regel nahezu 100% Gewinnaufschlag auf eine Lederhose auf. Somit sind es diese, welche vorrangig etwas von den Effekten der Globalisierung der Lederhose haben.

Was sollte ich nun beim Kauf einer Lederhose beachten?

Ob du dich für eine im Ausland hergestellte Lederhose entscheidest oder auf eine in Deutschland hergestellte Lederhose zurückgreifst musst einzig und alleine du entscheiden. Es handelt sich dabei gewissenmaßen schon fast um eine moralische Entscheidung.Aber hey: Trifft das zwischenzeitlich nicht auf nahezu alle Bereiche zu? Egal ob Kleidung von H&M, Möbel von Ikea oder eben beim Kauf einer Lederhose.

Wir empfehlen dir in jedem Falle nicht die günstigste Lederhose zu kaufen. Am besten du liest vor dem Kauf deiner Lederhose auch unseren Artikel, in welchem wir die Top 5 Fragen und Antworten zu Kauf einer Lederhose beantworten. Es hat sich in unseren Tests zu Lederhosen gezeigt, dass man beim Kauf sehr billiger Lederhosen häufig nur wenig Spaß hat. Beachte auch, dass eine Lederhose durchaus eine Anschaffung fürs Leben sein kann. Also vielleicht lieber einmal etwas mehr ausgeben, statt am falschen Ende zu sparen. Auch empfehlen wir beim Kauf einer Lederhose zumindest auf echtes Leder zu achten. Gerade die Lederhosen aus synthetischem Leder oder gar baumwollartigen Stoffen überzeugen in ihrem Aussehen oftmals überhaupt nicht. Leider ist dies auf den Bildern beim Kauf einer Lederhose im Internet häufig nicht erkennbar. Kommt die Lederhose nach dem Kauf dann zu Hause an, folgt meist das große Schrecken und man wünscht sich man hätte vielleicht doch ein paar Euro ausgegeben.